Ziel von TALE ist es, Menschen zu ermutigen, sich gegenseitig Geschichten über erfolgreiches Lernen zu erzählen und aus den Erlebnissen von Anderen zu lernen. TALE überträgt dabei die Philosophie und Methode des ‚Erzählcafés' (engl.: ‚story telling café') auf das Internet. Über eine Web-Plattform können Menschen Geschichten darüber erzählen, wie sie durch Dinge, die sie einmal gelernt haben (in der Schule oder in anderen formellen aber auch informellen Lernsituationen), kleine oder große Ziele erreicht haben. Andere Nutzer können diese Geschichten lesen und werden dadurch zu eigenen Lernaktivitäten ermuntert.
In einem 'Story telling café' kommen Menschen zusammen, um sich gegenseitig Geschichten über die verschiedensten Themen zu erzählen und sich andere Geschichten anzuhören. In Großbritannien sind solche Erzählcafés bereits weiter verbreitet. In den anderen Ländern Europas sind sie bisher vergleichsweise unbekannt.
Es gibt bereits einige Web-Seiten über ‚story telling', wo Informationen über das mündliche Erzählen, über Geschichten-Erzähler und Ereignisse wie Story-Telling-Festivals zu finden sind. Mit dem Projekt TALE soll nun eine netz-gestützte Umgebung aufgebaut werden, wo jedermann Geschichten über Lernen einbringen kann und jeder diese Geschichten lesen kann. Die TALE Web-Plattform ist wie ein Erzählcafé gestaltet, mit einem wichtigen Unterschied zu einem tatsächlichen Café: Jeder kann Erlebnisse erzählen und lesen wann und wo immer er möchte! Beides, mündlich erzählte Geschichten und natürlich auch aufgeschriebene Erfahrungen können eingebunden werden. Diese Geschichten können dann sowohl gelesen als auch angehört werden - je nach Vorliebe des Nutzers.
Lernen aus Quellen wie Fachbüchern bedeutet ‚Wort für Wort' zu begreifen. Im Gegensatz dazu beschreiben erzählte Geschichten Bilder. Geschichten können sehr viel einfacher erinnert und wiedererzählt werden. Aus Geschichten lernen heißt auch anhand von Modellen und Beispielen zu lernen.
Theoretischer Hintergrund
Das Projekt TALE basiert auf psychologischen Theorien der Motivation und des Lernens an Modellen. Andere Lerntheorien wie die operationale Konditionierung arbeiten mit Versuch und Irrtum, Verstärkung und Bestrafung. Der Ansatz des Lernens am Modell erklärt dagegen wie komplexe und schwierige Tätigkeiten, wie beispielsweise das Autofahren, erlernt werden können. Wenn Lernen als vielschichtiger Prozess mit all seinen verschiedenen Facetten betrachtet wird, ist eine Theorie nötig, anhand derer eine komplexe Tätigkeit erklärt werden kann. Beim Modelllernen ist es wichtig, dass der Lerner das Modell als realistisch und sich selbst ähnlich einschätzt. Während des Lernprozesses des Modells sollten einige Probleme auftreten, bevor das Ziel erreicht wird. Das Modell sollte besonders interessant und ermutigend für den Lerner sein. Zusätzlich sollten sich Beispiele auf einzelne Personen (anstatt auf Institutionen) beziehen, die dem Lerner ähnlich sind.
Es gibt eine enge Verbindung zwischen Modelllernen und psychologischen Motivationstheorien. Ergebnisse motivationspsychologischer Forschung besagen, dass allgemeine Einschätzungen (wie "ein erfolgreicher Abschluss ist wichtig, um einen Job zu bekommen") keinen bedeutenden Einfluss auf die persönliche Motivation eines Lerners haben. Allgemeine Bewertungen sind demnach nicht so stark mit der persönlichen Motivation verbunden und Verallgemeinerungen haben nicht das Potential, eigene Werte anzusprechen. Gerade diese persönlichen Werte (die eigene Bewertung, mit Hilfe derer etwas als ‚wichtig' oder ‚nützlich' eingeschätzt wird) sind äußerst wichtig für die Lernmotivation des Einzelnen. Um die Attraktivität des Lernens (und damit die Motivation) zu erhöhen, ist es notwendig, einen persönlichen Anreiz zu schaffen. Dies kann erreicht werden, indem Modelle vorgestellt werden, die persönliche Werte und Ziele durch einen Lernprozess erreicht haben.
Wie Lernen durch Geschichten bei TALE funktioniert
TALE möchte eine Europäische Web-Plattform entwickeln, in welcher Lern-Beispiele und Lern-Geschichten erzählt werden können. Diese Geschichten beschreiben Lernprozesse und zeigen im besten Fall, wie kleine oder große Hindernisse im Laufe des Lernens überwunden wurden. Dafür werden so viele auf das Thema Lernen bezogene Geschichten wie möglich gesammelt, strukturiert und kategorisiert. Die Geschichten können auch von den Nutzern bewertet werden (‚hat Ihnen diese Geschichte weiter geholfen?' usw.). Um die geschilderten Erlebnisse und Erfahrungen in den verschiedenen Europäischen Ländern zu nutzen, werden die Geschichten in mehrere Sprachen übersetzt.
Die Philosophie von TALE basiert auf der Idee von Freiheit. Die Integration von so wenig Regulation wie möglich auf der einen Seite, und Garantie der Anonymität und der Urheberrechte auf der anderen Seite wird dabei eine Hauptaufgabe für dieses Projekt sein. Eine externe "Qualitätskontrolle" der Geschichten ist nicht vorgesehen. Dafür wird es für die Nutzer selbst die Möglichkeit zur Kommentierung und Bewertung der Erzählungen geben. Die Nutzer-Gruppe ist nicht beschränkt und kann somit aus jedermann bestehen.
Die Struktur des TALE-Projekts